Die Stopfhexe


Stellt euch vor: Es gab mal eine Zeit, da kannte niemand H&M, Primark, T.K.Maxx oder wie sie alle heißen – die Wegwerf-Klamotten-Verkäufer mit Horden sklaventreibender Fabrikanten im Rücken.

Zu dieser Zeit wurde bei der Herstellung von Kleidung noch auf Qualität geachtet. Schließlich war die Produktionskette so kurz, daß man mitunter den Hersteller kannte und bei schlechter Ware schleunigst zur Konkurrenz gewechselt wäre. Zusätzlich wurden Kleidungsstücke in Eigenarbeit genäht, gefärbt und an die sich verändernde Größe des Trägers angepasst.

Dieser Umstand führte dazu, daß mit Kleidung sorgsamer umgegangen wurde. Flecken wurden sofort ausgerieben oder ausgewaschen. Anzüge und Kleider wurden mit Kleiderbürsten gereinigt. Und hatten Mantel, Strump oder Hose ein kleines Loch, wurde es repariert.

Was aber, wenn das Loch oder der Riss zu groß waren. Stopfen funktioniert ja nur, indem man an den Rändern beginnend eine Art Trägerfäden über das Loch spannt und diese dann möglichst unauffällig mit Faden in der Originalfarbe umstopft. Hier kommt uns die Stopfhexe zuhilfe.

Stopfhexe

Hinter diesem blocksbergigen Namen verbirgt sich nichts weiter, als eine Art Gewebeband, das als Träger unter das vorhandene Loch genäht wurde. Als besonderen Bonus war die Verarbeitung mit der Nähmaschine möglich. Auf der Rückseite könnt ihr die Gebrauchsanleitung für die Verwendung mit Nähmaschinen lesen. Das klingt ganz schön verzwickt. Bedenkt man allerdings, daß wir hier von einer Zeit um 1930 reden, in der die Eltern noch von den Entbehrungen nach dem Ersten Weltkrieg geprägt waren, versteht man, daß der Werbeslogan „Erhält Wäsche, spart Garn!“ nur zu gern befolgt wurde.

Stopfhexe

 

Ich frage mich, ob heute noch jemand ein Loch im Strumpf stopfen könnte. Meine Oma hatte in ihrer Nähmaschine noch einen Stopfpilz (später sogar noch einen zweiten mit Beleuchtung!) und ich behaupte, ich würde es vielleicht sogar noch hinbekommen, auch wenn es nicht besonders kunstvoll aussehen würde. Daß ich die Stopfhexe allerdings mit der Nähmaschine zähmen könnte, bezweifle ich.

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4 Kommentare zu „Die Stopfhexe

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  1. Ich kannte mal eine Frau, die die kleinen Hosenlöcher ihrer Kinder mit Stoffsticker verschloss. Dafür war keine Nähmaschine sondern das Bügeleisen gefragt.

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