Sture Verlierer des Ersten Weltkriegs – Köhler’s Deutscher Kalender 1934


Köhler's Deutscher Kalender 1934

Im Jahr 1934 war die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten noch frisch, man glaubte an eine kurze Blütezeit dieser Bewegung und ein ebenso baldiges Verschwinden. Das hat bedauerlicherweise nicht funktioniert.

Heute möchte ich euch einen Jahreskalender vorstellen, der 1934 vom Verlag Wilhelm Köhler in Minden/Westfalen herausgegeben wurde. Dieser Verlag ist bekannter als Herausgeber von Köhler’s Kolonialkalender, der mit dem Untertitel „Ohne Kolonien – Volk in Not, Kolonialbesitz – Arbeit und Brot.“ warb.

Zu den deutschen Kolonien habe ich euch in meinem letzten Artikel hier bereits einiges geschrieben.

Bezeichnend für die in diesem Verlag erschienen Kalender ist die feste Überzeugung, dass der erste Weltkrieg durch die so genannte Dolchstoßlegende verloren wurde. So trauert der Kalender, den ich euch heute vorstellen möchte, von vorne bis hinten der „guten alten Zeit“ und den vielen Gebieten des Deutschen Reiches nach, die uns nicht mehr gehörten.

Das 216 Seiten starke Büchlein beginnt mit Eigenwerbung.

Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934

Die hier erwähnte Wandkalender auf Karton, die Beilage, fehlt mir. Aber ich glaube, das ist kein Problem.

Der eigentliche Kalender beinhaltet wichtige Informationen, Sternenkonstellationen, Namenstage, usw. Es gibt eine Spalte für den evangelischen Kalender und eine für den katholischen.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Der Februar folgt.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Dieser Kalender wäre nur ein weiterer Kalender, wären da nicht die benachbarten Seiten. Im folgenden habe ich euch ein Gedicht abfotografiert, das euch einen ersten Eindruck über den Inhalt vermitteln soll.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Der Verfasser, Fritz Kudnig, war ein seinerzeit bekannter Heimatdichter, dessen ostpreußische Gedichte bis in die Fünfzigerjahre mehrmals neu aufgelegt wurden.

Ein paar Seiten weiter wird dem Leser erklärt, wieso Ostpreußen nicht mehr am Deutschen Reich hängt und wer dafür verantwortlich ist.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Bilder aus dem „abgetrennten deutschen Osten“ sollen die gute alte Zeit aufzeigen und uns dazu überreden, sie zurückzusehnen. Hier seht ihr ein Foto aus Deutsch-Eylau, dem heutigen Iława, einer Stadt, die auf eine Gründung des Deutschen Ordens zurückgeht. Ohne die Bildunterschrift „Aus dem abgetrennten deutschen Osten“ wäre dieses Bild durchaus informativ und hübsch anzuschauen. Aus dieser Gegend kam Herr Hindenburg.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Das nächste Bild zeigt uns das Tannenberg-Denkmal. Mehr über die Schlacht bei Allenstein, die auf Wunsch Hindenburgs in Schlacht bei Tannenberg umbenannt wurde, erklärt euch Wikipedia hier.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Die Bildunterschrift „Aus dem abgetrennten deutschen Osten“ zieht sich durch den ganzen Kalender.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Aber es folgen auch wieder wichtigere Informationen für den fleißigen Kalendernutzer. Hier der immerwährende Trächtigkeitskalender der nutzbarsten Haustiere:

Köhler's Deutscher Kalender 1934 - Trächtigkeitskalender

Platz, um sich die wichtigsten Nummern zu notieren:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Und eine Liste aller Märkte in Ostpreußen, sowie allen anderen deutschen Provinzen. Diese Liste umfasst allein 32 Seiten.

Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934

Auch der Humor kommt nicht zu kurz:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Ein Überblick über die geringe Besetzung der Arbeitsplätze im Deutschland vor der Machtergreifung Adolf Hitlers und seines „Generalangriffs auf die Arbeitslosigkeit“. Laut dieser Tabelle waren nur ca. einem Drittel der Arbeitsplätze in Deutschland mit Arbeitern besetzt. Inwiefern die Tabelle mit der hohen Arbeitslosenquote der 1920er Jahre zusammenhängt, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) war eine von Hitlers Maßnahmen, um Arbeitslose von den Straßen und – noch wichtiger – aus der Statistik zu bekommen. Nach dem Prinzip „Keine Wohlfahrtsunterstützung ohne Arbeit“ wurde der Bezug von Sozialleistungen an die Arbeit im RAD geknüpft.

Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934

Aber auch an die Freunde der Eisenbahn wurde gedacht. Ein Stück der Deutschen Reichsbahn im Wert von 412 Reichsmark gehörte theoretisch jedem Einwohner des Deutschen Reiches:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Natürlich darf auch er nicht fehlen. Damals noch in SA-Uniform schaut er ein wenig ratlos. Undenkbar wäre es ein paar Jahre später gewesen, Hitler erst so weit hinten im Buch durch sein Konterfei zu ehren.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Im Jahr 1934 folgten auf das Foto des GröFaZ noch Astrologische Vorhersagen. Wer mag, kann die Vorhersage bis 1942 ja mal studieren und mit den tatsächlichen Ereignissen vergleichen:

Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934
Köhler's Deutscher Kalender 1934v

Werbung für Bartschneidewerkzeug mit der Umsonst-Falle und der Hinweis für Frauen, dank der köstlichen Eta-Tragol-Bonbons eine Liebeserklärung nach der anderen zu bekommen. Denn schon nach wenigen Wochen nehmen Sie 10-30 Pfund zu:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Auf der folgenden Seite findet ihr Werbung für Photo Porst. Über den lieben Onkel Porst und seine Gewinne dank Arisierung hatte ich euch bereits im Artikel über das Flunder-Spiel berichtet.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Hier habe ich eine Anzeige für Pantaflavin gefunden. Der Artikel dazu kam schon oder kommt noch. Wenn er da ist, findet ihr ihn hier.

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Werbung für „Mein Kampf“, damals noch verhältnismäßig neu und noch neben Waschmaschinen und Gitarren beworben:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Postgebühren 1934:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

Und zu guter Letzt billige Bücher im Versand:

Köhler's Deutscher Kalender 1934

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