Entlassungsschein aus der Kriegsgefangenschaft 1947


Heute habe ich für euch ein Formular herausgesucht, das für die Allgemeinheit wahrscheinlich weniger von Interesse, für den jeweiligen Besitzer jedoch unendlich wichtig war.

Das Certificate of Discharge, Control Form D.2 bzw. auf Deutsch Entlassungschein, Kontrollblatt D.2 wurde dem Kriegsgefangenen am Ende seiner Gefangenschaft ausgehändigt, galt übergangsweise als Passierschein, Ausweis und Bezugsschein.

Unter Abschnitt I seht ihr die persönlichen Daten des Gefangenen. Das Formular ist zweisprachig abgefasst – deutsch für die Gefangenen, englisch für die Alliierten. Helmut Heer wohnte also bis zu seiner Gefangennahme in Neumünster.

Abschnitt II zeigt das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung. Helmut Heer wurde für -FIT- befunden.

Schauen wir uns Seite 2 an:

Die Person auf die sich obige Angaben beziehen wurde am 8. MAI 1947 aus der LUFTWAFFE entlassen. Wenn ich es richtig verstehe, war man also auch als Kriegsgefangener noch Mitglied der Wehrmacht.

Neben dem Abdruck des rechten Daumens hat sich Mr. W. Cahill, der C.S.M. (was immer das bedeutet) der Irish Guards verewigt. Er war der Unterzeichner der Entlassung.

Am 9. MAJ 1947 (Mai hier mit J geschrieben) war es schließlich soweit. Herr Heer durfte nach Hause. Rechts seht ihr den Stempel des Kriegsgefangenenlagers Pöppendorf im Nordosten von Lübeck. Links ein Vermerk, dass dem Entlassenen 40 Reichsmark ausgezahlt wurden. Ein Startgeld, mit dem er sich auf seinen Weg nach Hause machen konnte. Oftmals war es ein Weg ins Ungewisse. Lebt die Familie und steht mein Haus noch?

Der rote Stempel vermerkt die Arbeitserlaubnis als Holzarbeiter.

Schließlich ist Herr Heer in Ichtershausen angekommen. Sein Geburtsort aus Abschnitt I, Ingersleben, liegt nur zwei Kilometer davon entfernt. Vielleicht ist er zurück zu seinen Eltern gezogen. Das Schicksal seiner Frau und des minderjährigen Kindes (Abschnitt I) ist unbekannt. Vielleicht waren auch sie dort.

Als letzten Vermerk auf diesem Formular seht ihr unten links den Auszahlungsbeleg über 50 Reichsmark am 12.5.1947 durch die Gemeinde Ichtershausen. Dort hat sich Herr Heer angemeldet und Lebensmittelmarken (siehe hier) ausgehändigt bekommen. Damit er das nicht an anderer Stelle erneut tut, wurde der dicke Registriert!-Stempel aufgedrückt.

Das war’s für heute.

2 Kommentare zu „Entlassungsschein aus der Kriegsgefangenschaft 1947

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