Ein Blick durchs Schlüsselloch – frivoles aus den Nachttischen unserer Eltern und Großeltern


Lasst euch von euren Eltern oder Großeltern noch einmal erzählen: „So etwas hat es bei uns früher nicht gegeben!“. Alles Lüge! Wie ich euch schon bei der Vorstellung meiner Gesellschaftsspiele-Bücher aus den Jahren 1901, 1912 und 1920 erzählt habe, hatten es auch unsere Altvorderen faustdick hinter den Ohren. Ein Beispiel kommt hier. Bilder und Text lassen es mich auf die mittleren 1930-er Jahre datieren. Ich mag mich irren und nehme Berichtigungen gern an.

Für alle, die der Fraktur-Schrift nicht mächtig sind, füge ich die Transkription als Bildunterschrift ein.

Ein Blick durchs Schlüsselloch
Ein Blick durch’s Schlüsselloch!
Ein Blick durchs Schlüsselloch
An einer Tür ich kürzlich stand, Durch’s Schlüsselloch blickte und fand! Im Bettchen liegen, Karl und Klärchen, Ein jungvermähltes Ehepärchen. Von beiden sah ich nur die Füße, Womit ich Euch jetzt hier begrüße. Was ich gesehen, will ich schildern, Nachfolgend, in verschied’nen Bildern.
Ein Blick durchs Schlüsselloch
Ausgestreckt sind beide Beine, Jeder schläft für sich alleine. Friedlich schläft das junge Pärchen, Karlchen und sein liebes Klärchen. Doch der Schlaf ist nicht von Dauer, Klärchen packt ein süßer Schauer. Sie verspüret unbewußt – „Liebeslust“
Ein Blick durchs Schlüsselloch
Karl der ist auch erwacht, – Links= und rechtsum wird gemacht. Jetzt beginnt der schöne Reigen, Das werden Euch die Füße zeigen. Auch dies Bild ist unerklärlich. Es scheint, die Sache wird gefährlich? Himmelwärts stehen zwanzig Zehen, – Wie soll das bloß weitergehen?
Ein Blick durchs Schlüsselloch
Jedes Ding hat seinen Schluß, Selbst der himmlischste Genuß. Wie das alles weiter geht, Auf der nächsten Seite steht. Nun in ihrem Bett so süße, Ruhen aus, die zwei Paar Füße. Träumend liegen Karl und Klärchen; Denn zu Ende ist dies Märchen.
Ein Blick durchs Schlüsselloch
Die Moral von der Geschicht‘ Neugier ist so übel nicht. Lauschend hat man mitgemacht Eine schöne „Hochzeitsnacht“. Leider hat von alledem Man die Füße nur geseh’n. Sollt‘ sich Weit’res draus entfalten, Will ich’s Euch nicht vorenthalten.

Soso. Damit haben sich unsere Großeltern wohl seinerzeit auf die eigene Liebesnacht vorbereitet? Oder wurde das Heftchen heimlich in der Oberstufe herumgereicht, bis der Lehrer es bemerkte und einsammelte? Man weiß es nicht mehr.

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