Schickt Bücher ins Feld


Der erste Weltkrieg ist inzwischen mehr als 100 Jahre her. Er war der wahrscheinlich letzte Krieg auf deutschem Boden, in den die Soldaten jubelnd zogen.

In Dokumentationen wird meist nur über die Kampfhandlungen berichtet oder die zerstörten Orte gezeigt. Nur selten wird über den Alltag der Soldaten zwischen den Kämpfen berichtet. Und der war mitunter recht langweilig. Ganze Bataillone warteten, bis die Generäle neue Ideen hatten und die Truppenbewegung losging. Und was macht man da? Man liest ein Buch.

Wie ich früher schon einmal berichtet hatte (siehe hier) wurde ein nicht unerheblicher Teil der Truppenversorgung durch private Feldpost der Angehörigen bewältigt. Liebesgaben bestanden aus Tabak, Wurst, Kuchen oder Büchern.

Und für welche Bücher sollte sich die unentschlossene Mutter oder Ehefrau entscheiden? Der Ullstein-Verlag hatte eine kleine Faltkarte vorbereitet:

Ullstein-Bücher für Soldaten im Ersten Weltkrieg, 1914

Für 1 Mark pro Band gab es eine Auswahl aus neuen oder lustigen Büchern.

Ullstein-Bücher für Soldaten im Ersten Weltkrieg, 1914

Autoren wie Clara Viebig, Richard Skowronnek, Otto v. Gottberg, Ludwig Thoma, Ernst v. Wolzogen oder Ewald G. Seeliger standen zur Auswahl. Die meisten von ihnen sind heute vergessen.

Auf der Rückseite wurden einige Dankschreiben „Aus Feldpostbriefen“ abgedruckt. So schrieb Leutnant W. Siewers: „Meine Leute hungern nach geistiger Nahrung. Auf meine Frage, welche Bücher Sie haben wollten, antworteten meine Leute fast einstimmig „Ullstein“. Als ich ins Feld rückte, habe ich 2 Bände mitgenommen. Diese Bände sind von Hand zu Hand gewandert und sind jetzt nicht mehr wieder zu erkennen.“

Offizier-Stellvertreter E. Weidow weiß zu berichten: „Ihre Bücher werden auch im Argonnenwald mit großer Vorliebe gelesen.“

Ullstein-Bücher für Soldaten im Ersten Weltkrieg, 1914

Unteroffizier Fueß schreibt: „Zum Glück erwischten wir ein Ullsteinbuch „Die drei Lieben der Dete Voß“. „Wo steckt das Ullsteinbuch?“, so schallt es tagsüber von allen Ecken des Schützengrabens zu unserer Kabine herüber.“

Auch im nachfolgenden Krieg gab es Feldpostausgaben. Ein anderer Verlag, der Insel-Verlag, hatte extra für’s Feld seine Bücher in einer SOnderausgabe herausgegeben. Seht hier.

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