Bautrupp im Dritten Reich


Heute ist der 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands von der Naziregierung. Daher habe ich diesen Artikel für euch verfasst.

In vielen Armeen gibt es Bautrupps. Das sind meistens Soldaten, deren Hauptaufgabe das Bauen ist. So werden z.B. Wege und Straßen für vorrückende Kompanien gebaut, Bunker und Wehranlagen errichtet oder Schutt nach Kämpfen beseitigt um den Weg für Nachschublieferungen frei zu machen.

Im Dritten Reich hat es die Bautruppe „Organisation Todt“ zu einiger Berühmtheit gebracht. Benannt nach Fritz Todt baute sie alles, was für den Krieg notwendig war. Westwall, Atlantikwall, Wolfsschanze oder die norwegische Polarbahn sind nur einige Projekte.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Und ebenso, wie die Wehrmacht ihr eigenes Liederbuch hatte (siehe hier) und die Hitlerjugend (siehe dort), hatten auch die Bautruppen ihr Liederbuch. Es stammt in der Zweiten Auflage von 1942.

Auf der ersten Seite lesen wir, dass es uns vom Matthias Hohner Musikverlag dargebracht wurde.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Wer nun denkt: „Hohner, Musik, das sagt mir doch etwas.“, der liegt richtig. Von Hohner gibt es zum Beispiel die Akkordeons. Aber eben auch die kleine Ausgabe davon, die Mundharmonika. Und für die als Begleitung ist dieses Liederbuch ausgelegt.

Es folgt ein sehr kurzes Vorwort – genug der Propaganda.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Das Inhaltsverzeichnis lässt uns schon erahnen, welch siegesgewisse Stücke zur Auswahl stehen.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Nazilieder, soweit das Ohr reicht.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Das linke Lied soll eine kleine Kostprobe sein. Die Lieder wurden alle von Bausoldaten gedichtet und mit einer Melodie versehen. Es tauchen somit keine bekannten Namen auf. Ebenso dürfte sich die Bekanntheit der Lieder in Grenzen halten. Nicht zuletzt die geringe Auflage hat dafür dankenswerterweise ihr Übriges getan.

Das Buch ist in Gruppen unterteilt. Es fing mit dem „Aufbruch“ an und wird mit der „Garnison“ fortgesetzt.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen
Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

„Und kommen wir abends dann heim ins Quartier: Hab acht, kleines Mädel, hab acht! Der Soldat geht ran und steht seinen Mann. Was auch kommt, es wird alles gemacht.“ Soviel zum Wunschdenken des Bausoldaten. In der Realität sah es meist anders aus.

Lokale Bataillone hatten eigene Motivationslieder:

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen
Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Weiter geht es mit dem „Einsatz“:

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen
Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Der Text des folgenden Liedes auf der linken Seite, lässt einen Schluss auf die Zusammensetzung der Bautruppen zu. Die zweite Strophe lautet: „Die Jugend schäumet, die Jugend braust, den Neid an die Gurgel zu fahren. Wir schreiten voran mit geballter Faust, kampfstark, wenn auch älter an Jahren. Wir ebenen die Wege, wir bauen die Stege, wir stellen die Stiege den Jungsturm zum Siege. Ran an den Feind!“

Offenbar wurden die älteren Soldaten, die nicht mehr für den flinken Sturm geeignet waren, für die Bauarbeiten herangezogen. Das ist doppelt unglücklich: einerseits waren die älteren Soldaten sicher kampferprobter und handelten überlegter, zum anderen wären die jüngeren Männer sicher kräftiger und damit mehr für den Bau geeignet gewesen.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Das Ende des Buches bildet die kleine Lehrstunde zum Erlernen des Mundharmonikaspiels. Das ist der einzig weiterbildende Teil im Heft:

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen - Mundharmonikaunterricht
Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen - Mundharmonikaunterricht

Das war’s. Ein kleines Selbstlob mit Eigenwerbung ans Ende gedruckt und fertig ist das Büchlein, das es heute nur noch sehr schwierig zu finden gibt.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Der frühere Preis von 50 Pfennigen ist heute leider nicht mehr aktuell, wenn man „Das Liederbuch der Bautruppen“ kaufen möchte.

Das Liederbuch der Bautruppen, 1942, Matth. Hohner Verlag, Trossingen

Der abgebildete Bausoldat arbeitet übrigens mit einer Druckluftramme. Diese Dinger kenne ich noch aus meiner Kindheit und habe mich immer sehr amüsiert, wenn sie damals beim Straßenbau wie von selbst hochsprangen und wieder runtersausten.

Dem Büchlein ist noch die folgende Broschüre beigelegt:

Generalleutnant Klingbeil, Anlage zum Liederbuch für Bautruppen, 1942
Generalleutnant Klingbeil, Anlage zum Liederbuch für Bautruppen, 1942
Generalleutnant Klingbeil, Anlage zum Liederbuch für Bautruppen, 1942
Generalleutnant Klingbeil, Anlage zum Liederbuch für Bautruppen, 1942
Generalleutnant Klingbeil, Anlage zum Liederbuch für Bautruppen, 1942

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