Erstschlag mit dem Fliegenwedel – Weltausstellung 1900


Zugegeben, der Titel mag etwas verwirrend klingen, aber als ich die folgende Zeile in der Wikipedia-Rubrik „Was an diesem Datum geschah“ las, kam mir der Gedanke zum heutigen Artikel:

1827: Wegen dessen Antwort zum Schuldenproblem verabreicht der algerische Herrscher Hussein Dey dem französischen Konsul Pierre Deval bei einem Empfang in Algier drei Schläge mit dem Fliegenwedel. Der Vorgang führt drei Jahre später zur Anlandung französischer Truppen und zur Besetzung Algeriens.

Es gibt immer wieder tolle Gründe, um Kriege anzufangen oder in fremde Länder einzumarschieren. Dieser hier war mir neu.

Was hat das nun mit dem Artikel des Tages zu tun?

Vom 15. April bis 12. November 1900 fand die 13. Weltausstellung in Paris statt. Hier wurden so spektakuläre Erfindungen gezeigt, wie:

  • ein Rollender Bürgersteig – der Vorgänger der heutigen Rollwege, die man gern auf Flughäfen benutzt aber auch ein Vorgänger unserer Rolltreppen;
  • Großbildprojektionen der Gebrüder Lumiere – das erste Public Viewing
  • ein Dieselmotor mit Erdnußöl-Antrieb
  • die Pariser Metro wurde eröffnet
  • Karl Strobach sr. wurde für sein Zigarettenpapier „Olleschau“ mit der großen Goldmedaille ausgezeichnet.
  • Die Plauener Spitze erhielt einen Grand Prix.

Zur Finanzierung der Weltausstellung wurden ab 1896 unter anderem Los-Heftchen verkauft, die eine Menge Vorteile boten. Preis: 20 Franc; was bekam man dafür?

Weltausstellung Paris 1900

Die Mittelseite besteht aus dem eigentlichen Los. Dreieinviertel Millionen Lose wurden verkauft.

Weltausstellung Paris 1900

Die Liste der Glücks-Ziehungen ist relativ lang: In jedem der 5 Jahre 1896 bis 1900 fand eine Hauptziehung und mehrere Nebenziehungen statt. Die Hauptgewinne betrugen immerhin jeweils 500.000 Franc, in den 5 jährlichen Nebenziehungen jeweils 100.000 Franc.

Weltausstellung Paris 1900

Aber es gab noch mehr Vorteile: Zwei Gutscheine für um 25% verbilligte Eintrittskarten zur Ausstellung. Mein Vorbesitzer hat allerdings nur eine davon genutzt.

Desweiteren gab es einen Reisegutschein zur Weltausstellung. Dieser untergliederte sich wie folgt (mein französisch hält sich in Grenzen – Berichtigungen sind willkommen):

  • entweder 3 Reisen über eine Entfernung von mehr als 50 aber weniger als 200 Kilometern;
  • oder 2 Reisen über eine Entfernung von 201 bis 500 Kilometern
  • oder 1 Reise über eine Entfernung von mehr als 500 Kilometern (jeweils hin und zurück)
  • oder – und hier schließt sich der Kreis zur Geschichte vom Anfang – eine Anreise per Eisenbahn und Schiff aus den Kolonien Korsika, Algerien und Tunesien.

Weltausstellung Paris 1900

Nochmal die Rückseite des Gutscheins für die verbilligte Eintrittskarte:Weltausstellung Paris 1900

Mit welchem Schiff man damals aus den Kolonien aufs Festland herüberkam, könnte man mit etwas Geduld hier drin nachschlagen – dazu aber später ein gesonderter Artikel:

Buch Schiff Verzeichnis (Compagnie Generale Transatlantique)

Es gab übrigens auch für Besucher aus Deutschland hilfreiche Druckausgaben. Eine davon besitze ich. Dieses kleine Büchlein wurde von der Helios Elektricitäts AG herausgegeben und enthält neben Beschreibungen und Zeichnung der gängigsten Sehenswürdigkeiten auch einen Stadtplan. („mit dem Führer durch Paris“ hatte damals noch eine angenehmere Bedeutung als 40 Jahre danach) Den kompletten Artikel zu diesem Paris-Führer findet ihr hier.Führer Weltausstellung Paris 1900

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3 Kommentare zu „Erstschlag mit dem Fliegenwedel – Weltausstellung 1900

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