pflücken, trocknen, pressen, botanisieren – ein Herbarium


Vor geraumer Zeit habe ich euch zwei meiner Bücher vorgestellt, die der Bestimmung von Pflanzen dienten. Wer sich nicht mehr erinnert, der klickt einfach hier. Diese Bücher halfen dem emsigen Sammler, die Beute in Ordnung, Familie, Unterfamilie, Gattung und Art einzuteilen. Aber bevor es so weit war, gab es einen ganz wichtigen Schritt: die Blümchen, Gräser und Kräuter wollten erst einmal gefunden werden.

Als mein Urgroßvater seinerzeit seine Ausbildung zum Apotheker abzuschließen gedachte, bestand eine Aufgabe darin, ein schönes Herbarium anzulegen. Das war in den Jahren 1899 bis 1901.

Herbarium
Der Deckel hat leider einen kleinen Wasserschaden, der aber glücklicherweise nicht durchgekommen ist.

Und das liegt noch immer hier herum. Sollte jemand von euch eine Idee haben, wie man so ein Ding am besten aufbewahrt, schreibt mir eure Ideen. Das Foto wurde vor dem Ersetzen der Deckel gemacht. Inzwischen ist es wieder schön zwischen zwei Holzdeckeln mit Riemen festgepresst.

Innen hat der fleißige Jungapotheker die gefundenen Pflanzen in Ordnungen untergliedert und jede Klasse in eine kleine Mappe einsortiert:

Herbarium
Monoecia, eine Ordnung der Klasse Diclinia, also Staubblätter und Stempel befinden sich auf verschiedenen Blüten, Monoecia – ein Staubblatt

Und so sehen Blümchen aus, die seit nunmehr 115 Jahren in mumifizierter Totenstarre liegen. Ich habe mir viel Mühe gegeben, die kleinen Zettel der hier abgebildeten Pflanzen zu entziffern. Schaut mal in die Bildunterschriften!

Herbarium
Origanum vulgare – Gemeiner Dost – der Fundort ist angegeben, ich kann ihn aber leider nicht entziffern. Muß irgendwo in der Heimat um Trier gewesen sein
Herbarium
Herbarium
Solanum tuberosum – Kartoffel – Acker bei Hermeskeil – 30. VII. 1899
Herbarium
Garten-Rittersporn
Herbarium
Lycopodium Selago – Tannen-Bärlapp – Im Walde von Irgendwo
Herbarium
Anchusa officinalis – gebräuchliche Ochsenzunge
Herbarium
Mentha arvensis – Feld-Minze – Fundort: Am Bahnhof – 20. VII. 1900
Herbarium
Mentha silvestris – Wald-Minze
Herbarium
Euphorbiaceen – Wolfsmilchgewächse
Herbarium
Tithymalus Dulcis – süße Wolfsmilch – Garten – 30.5.1900
Herbarium
Campanula glomerata – geknäuelte Glockenblume – 10.7. 1900
Herbarium
Herbarium
Primula officinalis – gebräuchlicher Himmelschlüssel
Herbarium
Ackerwinde
Herbarium
Datura Stramonium – gemeiner Stechapfel
Herbarium
Klatschmohn – gesammelt auf einem Acker bei Hermeskeil, 24. VII. 1899
Herbarium
Schlafbringender Mohn
Herbarium
Mohn
Herbarium
Helleborus vividis – Nieswurz
Herbarium
Aesculus Hippocastanium – gemeine Roßkastanie – gesammelt in Trier am 16. Juli 1899
Herbarium
Herbarium

Manche Pflanzen sind bedauerlicherweise verschwunden. Wahrscheinlich hat sich der kleine Papierstreifen zur Befestigung gelöst und die Pflanze ist rausgefallen. Dank der Beschriftung wissen wir aber, was fehlt.

Das ist doch ein tolles Andenken an meinen Uropa, oder? Das hat er sich bestimmt nicht träumen lassen, daß 115 Jahre nach seinen Ausflügen durch die blühende Natur sein ihm völlig unbekannter Urenkel der großen weiten Welt sein Herbarium vorstellt, das ihm seinerzeit den Weg zum Apothekerberuf geebnet hat.

Und wenn mich nicht alles täuscht, ist er das in seinem kleinen Garten mit eigener Ernte:

Familie-Garten

3 Kommentare zu „pflücken, trocknen, pressen, botanisieren – ein Herbarium

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