Eisernes Sparen


Was ein Bausparvertrag ist, weiß jeder. Man spart einen Teil seines Geldes um damit den Bau eines Hauses oder dessen Renovierung zu finanzieren. Hat man die Hälfte eingezahlt, bekommt man einen zinsgünstigen Kredit über die andere Hälfte und kann somit zu günstigen Konditionen den Weg ins Eigenheim ebnen.

Im Dritten Reich gab es noch zwei weitere Arten, sein Geld für einen besonderen Anlass aufzusparen. Ziemlich gut bekannt ist das sogenannte KdF-Sparen. Kdf – Kraft durch Freude – war das Programm, mit dem ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland die Freizeitgestaltung der Volksgenossen in gelenkten Bahnen verlaufen sollte. Die Idee war nicht schlecht und wurde in der DDR teilweise mit den Freizeitaktivitäten des FDGB fortgesetzt. Die KdF-Geschäftsfelder mit Hintergrundinformationen findet ihr hier. Eine Parallele zum Bausparvertrag war das sogenannte KdF-Wagen-Ansparen, also die Hälfte des Kaufpreises des KdF-Wagens, des VW Käfers, anzusparen, das Auto ausgeliefert zu bekommen und danach in monatlichen Raten die zweite Hälfte zu bezahlen. (dieses System hat es übrigens nie über die Ansparphase geschafft, kein Auto wurde jemals ausgeliefert)

Während das konservative und in Banken vertrauende Bausparen vorwiegend von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst genutzt wurde, fanden sich für das KdF-Sparen hauptsächlich Gefolgsleute der nationalsozialistischen Idee. Schließlich gab man sein Geld in die Hände einer NS-Organisation, also dem Staat.

Aber es gab noch eine dritte Art des Sparens, die unser heutiges Thema sein soll: das Eiserne Sparen.

 

Die Eiserne Sparerklärung war ebenso gewagt wie gezwungen. Überwiegend in Betrieben wurde unter Kollektivzwang für den Abschluss eines Eisernen Sparvertrages geworben. Wer wollte da als Einziger in der Arbeitsgruppe nicht teilnehmen? Und somit wurden zahlreiche Sparer gewonnen. Aber wieviel und worauf sparte man überhaupt?

Das Eiserne Sparen wurde mit vorgegebenen wöchentlichen Beträgen durchgeführt. Zu Beginn im Jahr 1941 waren das 6 Reichsmark pro Woche, später wurde der Betrag auf bis zu RM 1,- gesenkt um noch mehr Sparer zu ermutigen. Das Geld war vorhanden, schließlich hatte die Mangelwirtschaft in den zwei Jahren des Krieges dazu geführt, daß zwar die Löhne erhöht worden waren, jedoch nicht mehr ausreichend Waren im Handel zur Verfügung standen. Die Durchschnittsfamilie hatte Geld übrig, das der Staat brauchte.

Das Sparziel hingegen war im Vergleich zum Bau- und KdF-Sparen ganz unsicher. Die Spareinlagen wurden zwar nur mit dem Sparbuchzins verzinst, waren dank Steuerfreiheit trotzdem lukrativ. Allerdings war eine Auszahlung der angesparten Summe frühestens ein Jahr nach Kriegsende möglich. Das machte die Angelegenheit heikel, denn wer wollte einem Abschluss des Sparvertrages schon widersprechen, weil ihm das Kriegsglück Deutschlands unwahrscheinlich erschien? Und wer wollte darüber nachdenken, was aus den Spareinlagen wird, sollte Deutschland den Krieg nicht gewinnen?

Zum Zeitpunkt des Abschlusses des oben gezeigten Vertrages von Walter Müller am 28.11.1941, also nur 18 Tage nachdem das Programm ins Leben gerufen wurde, war die Welt für jeden führertreuen Nationalsozialisten noch in Ordnung. Seit 5 Monaten marschierte die Wehrmacht auf sowjetischem Boden und eroberte „Lebensraum im Osten“. Der Winter vor Stalingrad war noch ein Jahr entfernt und die braune Welt drehte sich im Takt des Gleichschritts. Da glaubte man noch an einen schnellen Sieg und fette Beute.

Der Ausgang des Krieges ist bekannt, das Ergebnis des nicht kündbaren Eisernen Sparvertrages war eine Umschreibung in ein normales Sparbuch im Jahr 1947. Mit der Währungsreform 1948 erfolgte eine Umstellung von 10:0,65 zur D-Mark, also aus 10 Reichsmark wurden 65 Pfennige. Wer wie Walter Müller gleich von Beginn an dabei war und von November 1941 bis zum Kriegsende monatlich seine RM 26,-einzahlte, hatte die Höchstansparsumme von knappen 1100 Reichsmark erzielt und erhielt nach der Währungsreform 71 D-Mark. Ein Anspruch auf Entschädigung von immerhin 13,5% nach dem Altsparergesetz bestand leider nicht, weil alle Einzahlungen nach dem 1.1.1940 getätigt wurden.

Wieder einmal war der Bürger der Dumme.

Andere Artikel zum Thema sind Gold gab ich für Eisen, Knochenseife und Metallspende.

 

6 Kommentare zu „Eisernes Sparen

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  1. Sparkarte von der Deutschen Arbeiterfront und dem Volkswagenwerk für eine Limousine, tief-graublau zum Preis von 990 RM. Bereits 2 x 250 RM waren angespart.

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  2. das „eiserne sparen“ war k e i n Zwang, und die quelle seiner Behauptung gibt der Autor nicht an.
    Das „eiserne Sparen“ war ein wenig erfolgreiches Programm ab 1941 insbesondere in Polen. die deutschen Sparer sollten durch steuerbegünstigte Programme und durch Erleicherungen bei den Sozialversicherungsabgaben Geld ansparen, damit der Staat Zugriff auf Kredite für die Kriegsfinanzierung erhält. Aber die meisten deutschen Sparer wollten nicht mitmachen, und weigerten sich, dem Aufruf zum „eisernen Sparen“ zu folgen. Auf diese Weise entwickelte sich das Programm im Laufe des Krieges als Misserfolg, und nach und nach stellten sich wirtschaftliche Defizite und immer höhere Verschuldung ein.
    (Quelle: „Kredite für NS-Verbrechen“; Ingo Loose, 2207, Institut für Zeitgeschichte; Dissertation)

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