Henze Milch-Ecken


Heute stelle ich euch eine Blechdose aus den 1930er Jahren vor, die zwar nicht sonderlich spektakulär ist, aber mit einer schönen Geschichte daherkommt.

Henze Milch-Ecken kannte in den 1920er bis 1940er Jahren jedes Kind. Die 125-Gramm-Tüte kostete vor dem Krieg 50 Pfennige und ca. 20 davon befanden sich in dieser Dose.

Ausgedacht hat sich diese Bonbons Herr Arthur Henze aus Jeßnitz (Anhalt), der in Gräfenhainichen seine Kaufmannslehre in einem Kolonialwarenladen absolvierte und 1903 mit nur 26 Jahren in Eilenburg eine Bonbonfabrik gründete. Während er dem Kaiser zwischen 1914 und 1918 an der Front diente, führte seine Frau die Fabrik. In den 1920er Jahren wuchs die Firma Henze vom lokalen Bonbonanbieter zur überregionalen Marke. Zuerst gab es die Milchecken (1928) und drei Jahre später kamen die Milch-Bienen und die Grippefeind-Bonbons dazu. Leider tat der zweite Weltkrieg in Folge Herrn Henze nicht gut. Wurde anfangs noch Kunsthonig produziert, musste später auf den Bau von Flugzeugteilen und die Beschäftigung italienischer Zwangsarbeiter umgerüstet werden. (Waren die Milchbienen gar ein Flugzeugtyp?) Während die Firma den Krieg halbwegs gut überstand, tat Herr Henze das bedauerlicherweise nicht. Er verstarb in den letzten Kriegstagen, am 5. Mai 1945. Auch das Mobiliar und die Waren überstanden den Krieg nicht – zumindest nicht dort, wo sie hingehörten. Das Werk wurde von den Anwohnern geplündert.

Nach dem Krieg trennten sich die Wege von Familie Henze und der Firma. Die Firma ging in Volkseigentum über, der Erbe Wolfgang Henze ging in den Westen, nach Köln.

Die VEB Bonbonspezialfabrik, ehemals Henze KG, Eilenburg produzierte noch bis in die späten 1950er Jahre Henze Bonbons. Danach wurde der überraschend kreative Name „Henri“ für die Bonbonmarke gewählt. Und die gibt es noch heute.

Herr Henze senior engagierte sich übrigens nicht nur für die Arbeitsbeschaffung deutscher Zahnärzte, sondern auch in der Eilenburger Freimaurer-Loge „Zur Eule auf der Warthe“ und er war 1906 Gründungsmitglied des Ruderclub Eilenburg e. V.

Falls sich jemand fragt, was auf den anderen beiden Seiten der Dose zu sehen ist, die ich nicht fotografiert habe, dem kann ich sagen: dasselbe.

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