Wahltag – 1932 / 2021


Wahlfreiheit ist eine schöne Sache und eine großartige Errungenschaft der Demokratie.

Jeder volljährige Bürger des Volkes kann seine (oder ihre) Stimme abgeben und damit seinen Anteil an der Zusammensetzung der Regierung leisten. Manch einer ist aktiv in der Politik zugange, andere schauen sich die Machenschaften aus der Sicht des Volkes an. Gut ist, wenn die Politik dabei nachvollziehbar ist, schlecht, wenn sie zwar gut gemeint ist, die Interpretation aber durch Neider erfolgt.

Ebenso schlecht ist es, wenn sich alteingesessene Parteien auf ihre Wählergunst verlassen. Das kann furchtbar schiefgehen.

Ich habe euch heute aus einer Kiste ein paar Extrablätter zur Reichstagswahl vom Sonntag, dem 31. Juli 1932 herausgekramt.

Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands hat die rechtsgesinnte NSDAP die Mehrheit erreicht. Die SPD, bis zur Wahl am 14. 7. 1930 führende Kraft in Deutschland mit 24,5% der Stimmen vor 18,3% NSDAP, 13,1% Kommunisten und 11,8% Zentrumspartei wurde zum ersten Mal überholt und verlor ihre Führungsposition an die Nazis. Frühere Stimmen, die behaupteten, die Nazi-Partei mit ihrem Hitler sei nur ein Strohfeuer, sollten Unrecht behalten, auch wenn sie mit dem Feuer nicht ganz falsch lagen.

Die letzte Warnung konnte bei der Preußenwahl vom 24. April 1932, also ein Vierteljahr vorher, gesehen werden. Vergleicht die Tabelle oben rechts. Hier zeichnete sich ein Erdrutschsieg der NSDAP ab.

Auch andere Tageszeitungen gaben Extrablätter heraus:

Wer sich hier die Ergebnisse der einzelnen Kleinstädte und Dörfer (die linken beiden Spalten) anschaut, sieht, dass durchweg die SPD grandios Stimmen einbüßte, die NSDAP diese und die Stimmen der kleineren Parteien für sich verbuchen konnte und nur die KPD-Wähler ihrer Partei treu blieben.

Die Stimmen der Bürger Erfurts, nach Wahllokalen geordnet, auf der Rückseite:

Wer sich über den Begriff Schmalix in Spalte 28 der Wahlergebnisse wundert, der schaue hier und hier.

Und noch ein drittes Extrablatt

Die SPD versuchte zwar dem Trend bis zum Schluss mit Wahlzeitungen entgegenzutreten, aber geholfen hat es offensichtlich nicht. Die Artikel sind interessant zu lesen. Und sie sind nicht in der sonst zeitungsüblichen deutschen Schrift verfasst, sondern besser lesbar mit lateinischen Buchstaben.

Einen Monat nach Veröffentlichung dieses Artikels wird in Deutschland am 26. September 2021 der neue Bundestag gewählt. Die Tendenz zu 1932 ist klar ersichtlich – in einigen Bundesländern stärker als in anderen. Und auch nach 90 Jahren lehnen sich die großen Parteien wieder zurück und verlassen sich auf traditionelles Wahlverhalten der Wähler, indem sie mit Plakaten werben, auf denen statt Plänen nur Gesichter prangen. Informationsfreiheit bedeutet hier wohl „frei von Informationen“. Die SPD hat es als erstes weggerissen. Von der Volkspartei befindet sie sich auf direktem Weg zu einer netten Alternative. Und die Alternativ-Partei schafft es, immer mehr Unentschlossene mit hohlen aber wohlklingenden Phrasen und leeren Versprechungen zu ködern.

Ist es für „Wehret den Anfängen!“ schon zu spät?

Lesenswert auch mein früherer Artikel „Ein Kampf um Deutschland“.

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