„Schwarz ist die Nacht, weiß ist der Schnee und von beiden Seiten die Rote Armee.“ – Gefrierfleischorden 1941/42


Bestimmt haben viele von euch den Begriff Gefrierfleischorden, oder Gefrierfleischmedaille schon einmal gehört. Was hat es damit auf sich?

Der Vormarsch der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion kam durch den Wintereinbruch 1941 zum Erliegen. Nichts ging mehr, aber schlimmer noch, das Ausharren gestaltete sich zunehmend zum Desaster der Wehrmacht. Es fehlte an Nahrung, Kleidung und Material, sowohl für den Vormarsch, als auch das Ausharren oder gar den Rückzug. Man saß fest und es war kalt.

Die Soldaten, die zurückkamen und östlich einer fiktiven Grenze waren, die zwischen auszeichnungswürdig und auszeichnungsunwürdig entschied, bekamen eine von Herrn Hitler gestiftete Auszeichnung, die sogenannte Ostmedaille. An ihrer Form lässt sich erahnen, wieso auch der Name „Schneemannmedaille“ gebräuchlich war. Die Erlebnisse im kalten russischen Winter verhalfen der Medaille schließlich zum Namen Gefrierfleischmedaille.

Aber auch der Reim, den ich für die Überschrift des Artikels gewählt habe, spiegelt nicht nur die Situation vor Ort wider, sondern beschreibt gleichzeitig die Farbgebung des Bandes. Natürlich war die Farbwahl als Stilisierung der Hakenkreuzfahne gedacht, aber der Humor der Soldaten ist unerbittlich.

Die Vorderseite der Medaille sah aus, wie so vieles zu dieser Zeit: Vogel, Hakenkreuz. Oben aufgebastelt gibt es einen Stahlhelm auf einer Stielhandgranate. Es gab die Medaille auch ohne Hakenkreuz, vermutlich für die Kämpfer verbündeter Nationen.

Man schätzt die Zahl der verliehenen Medaillen auf 2-2,5 Millionen, davon 200.000 posthume Verleihungen. Sie hat also allenfalls nostalgischen Wert für Leute, die gern in dieser Art Nostalgie schwelgen.

Sie kam in einer schmucken Tüte – dafür hatte der Soldat redlich gekämpft und seine Zehen und Finger gern riskiert.

Auch die Rückseite der Tüte kann übrigens kaum etwas hermachen – Metall-Kunststoff, Gablonz:

Aber, hättet ihr gewusst, dass die Gablonzer Industrie – heute heißt der Ort Jablonec nad Nisou und liegt in Tschechien an der Neiße – berühmt war für die Anfertigung von Modeschmuck ohne nenneswerten Wert? Und hättet ihr gedacht, dass der berühmteste Vertreter dieser Gablonzer Modeschmuckindustrie keine geringere Firma als Swarowski ist?

Mit in meiner Tüte steckte übrigens diese, ebenso unnütze Medaille:

Wikipedia weiß: Es ist die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, umgangssprachlich auch Sudetenland-Medaille. Sie sollte damals an die „Wiedervereinigung“ des von den Sudetendeutschen bewohnten Gebietes erinnern. Das Tragen, Herstellen und Verbreiten ist heute verboten. Ich hoffe, dass dieser Artikel nicht verboten wird. Er richtet sich entschieden gegen die Glorifizierung der nationalsozialistischen Ideologie und möchte lediglich zur Bildung und der damit verbundenen Vorbeugung vor einem Rückfall in politische Strukturen dieser Zeit beitragen.

Ach ja, die andere Seite sieht so aus:

Warum sie im Besitz meines Opas war, kann ich euch nicht sagen. Während er zwar an der Ostfront mitgekämpft hat, war er meines Wissens nicht im „Protektorat Böhmen und Mähren“. Aber noch bin ich mit der Aufarbeitung der Kriegspost nicht fertig.

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