Stille Wasser sind tief und voller Brod


Was will er uns mit dieser Überschrift sagen?

Brot mit ‚d‘ und was hat es im Wasser zu suchen?

Die Antwort ist ebenso einfach wie amüsant. Es geht heute um eines der neulich angekündigten Theaterprogramm-Plakate. Er diente damals dazu, an Litfaßsäulen für einen Theaterabend des Königsberger Stadttheaters zu werben. Das war am 3. Februar 1858. Kaliningrad hieß Königsberg i. Pr. (in Preußen), war Königliche Haupt- und Residenzstadt und gehörte zum Deutschen Zollverein, jedoch noch nicht zum Deutschen Bund, Norddeutschen Bund oder zum Deutschen Reich. (Der Wikipedia-Artikel zum Deutschen Zollverein ist übrigens sehr lesenswert.)

Aber zurück zum Plakat. Die Hauptankündigung galt der Abschieds=Vorstellung des Herrn Francois Rappo und dem Gastspiel des Fräulein Ottilie Genée. Während man nichts zu Herrn Rappo findet, war Fräulein Genée sehr berühmt. Schaut hier.

Theaterplakat - Königsberger Stadttheater - 3. Februar 1858

Völlig neu „einstudirt“ wird der Vier-Akter „Stille Wasser sind tief“ zur Aufführung gebracht. Darauf, zum ersten Male „Bei Wasser und Brod“, Dramatischer Scherz in 1 Akt mit dem Auftritt von Fräulein Genée.

Zum Beschluß (interessantes Wort, das sich wohl aus dem Ausdruck „den Abend beschließen“ herleitet und im Laufe der Jahre seine Bedeutung verändert hat) gab es „Syrische, indianische Kunst- und Fertigkeitsspiele und athletische Tändeleien„:

Erste Abtheilung

Ein Cyklus der mannigfaltigsten Jongleurien, Equilibres und Balancen, die sich durch ihre Zierlichkeit und zum Theil durch ihre Neuheit auszeichnen werden, unter denen eine besondere Hervorhebung verdienen:

  1. Das Schwertspiel der Huronen
  2. Das seltsame Sichselbstbalanciren oder Equilibres und Magnetismus
  3. Die Kraftübung der Spartaner
  4. Der japanische Sessel oder Die Pyramide der tanzenden Teller
  5. Der Antipode oder Die magische Stange
  6. Der Triumph des Athleten oder Das Männerheben in schwebender Lage

Zweite Abtheilung

Der feurige Ballon oder Der Flug ohne Flügel

Am unteren Rand stehen noch Vorankündigungen für die folgenden Tage. Fräulein Ottilie Genée ist noch eine Weile geblieben und entzückte das Königsberger Publikum mit einem weiteren Stück: Die Kadetten Friedrich des Großen, vaterländisches Gemälde aus dem siebenjährigen Kriege in einem Aufzuge von Meaubert.

Rechts noch die Hinweise: Preise wie gewöhnlich – Dutzendbillets haben heute Giltigkeit – Kassenöffnung halb 6 Uhr – Anfang 6 Uhr – Ende 9 Uhr

Alles in allem klingt das nach einem schönen Abend im Ostpreußischen Land. Da wäre ich gern dabei gewesen.

3 Kommentare zu „Stille Wasser sind tief und voller Brod

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